Sie toben, fressen und wachsen gemeinsam auf: In der Wildtierstation von Tierschutz Austria herrscht derzeit Hochbetrieb. Rund 80 Jungigel werden momentan dort versorgt. Einige der Tiere sind gerade einmal 85 Gramm schwer – in etwa wie eine Tafel Schokolade. Igel gelten laut Tierschutz Austria auch als zunehmend gefährdete Tiere: Der Westeuropäische Igel steht seit 2024 auf der Roten Liste der Weltnaturschutzorganisation IUCN.
Vorbereitung auf Auswilderung
Obwohl Igel eigentlich Einzelgänger sind, werden hier mehrere Jungtiere gemeinsam betreut. Diese gemeinsame Unterbringung ist aber nur eine vorübergehende Phase: Die Jungigel sollen sich in geschützter Umgebung entwickeln und kräftig genug werden, um anschließend wieder in die Natur entlassen werden zu können.
Die etwas älteren Jungigel sollen in den „Igelkindergärten“ miteinander toben und ihr Sozialverhalten üben, bevor sie später wieder allein zurechtkommen müssen. Bei den jüngsten steht noch die Pflege im Vordergrund, denn sie brauchen intensive Rund-um-die-Uhr-Betreuung mit Spezialmilch und Wärme.
Hitze setzt Wildtieren zu
Die Igel sind nicht die einzigen Tiere, die momentan zahlreich im Tierschutzhaus unterkommen müssen: Allein im Juni wurden laut Tierschutz Austria rund 1.000 Wildtiere betreut. In den vergangenen zwei Monaten seien es mehr Tiere als in einem ganzen Jahr noch vor fünf Jahren gewesen.
Der Auslöser für die Situation ist die anhaltende Hitze und die damit verbundene Trockenheit. Bei hohen Temperaturen wird es für Wildtiere – besonders auch für Igel – schwieriger, ausreichend Wasser zu finden, und gerade in der Paarungszeit und der Aufzucht der Jungtiere ist der Wasserbedarf erhöht. In überhitzten Städten und stark versiegelten Gebieten kann sich die Situation zusätzlich verschärfen.
So wird der Garten igelfreundlich
Auch Privatpersonen können etwas für die Tiere tun – vor allem, wenn sie einen Garten haben. Besonders geeignet sind naturnahe Gärten mit Versteckmöglichkeiten und einem möglichst breiten Nahrungsangebot. Igel ernähren sich unter anderem von Würmern, Larven, Insekten und Schnecken. Für einen Igelgarten sollte deswegen auf Pestizide und andere Gifte verzichtet werden. Eine besondere Gefahr stellen laut Tierschutz Austria auch automatische Mähroboter dar.
Für die Überwinterung können Reisig-, Wurzel- oder Laubhaufen als natürliche Verstecke dienen. Auch spezielle Igelhäuser können den Tieren einen Unterschlupf bieten. Der Winterschlaf beginnt abhängig von den Temperaturen meist etwa Mitte November und dauert bis März oder April.
Nicht jeder Igel braucht Hilfe
Wer einen Igel findet, sollte ihn nicht automatisch mitnehmen. Ein unverletztes Tier, das einen gesunden Eindruck macht, braucht normalerweise keine menschliche Hilfe, so der Tierschutz Austria. Anders sieht es etwa bei sehr kleinen oder mageren Tieren, Tieren mit Verletzungen oder auffälligem Verhalten aus. Als Faustregel gilt: Alles, was kleiner als ein Paprika ist, braucht Hilfe. Der Tierschutz Austria nennt als Warnzeichen unter anderem einen „Hungerknick“ am Nacken, Apathie, Hinken und einen wackeligen Gang.
Sollte es sich bei einem Fund doch um einen hilfsbedürftigen Igel handeln, sollte zunächst fachkundige Hilfe kontaktiert werden. Als vorübergehende Erste Hilfe kann ein geschwächtes oder unterkühltes Tier in einer mit Zeitungspapier ausgelegten Box untergebracht und vorsichtig gewärmt werden. Außerdem kann lauwarmes Wasser angeboten werden.
Sendungshinweis
„Guten Morgen Wien“, Radio Wien, 19. August 2026
Auch was die Fütterung betrifft, sollte man Beratung einholen. Als Notlösung nennt Tierschutz Austria gekochtes Ei oder hochwertiges, proteinreiches Katzenfutter. Milch, Obst und Gemüse sind hingegen ungeeignet, da sie bei den Insektenfressern zu schweren Verdauungsproblemen führen können. Genauso wird von einer zu einseitigen Fütterung ausschließlich mit Mehlwürmern abgeraten, da ihr Phosphor-zu-Calcium-Verhältnis zu gesundheitlichen Problemen führen kann. Auch die Gabe von Medikamenten und eine Behandlung von Verletzungen sollten nicht ohne tierärztliche Anweisung erfolgen.
Auf der Suche nach Auswilderungsplätzen
Sobald die Jungigel aus den „Igelkindergärten“ wieder kräftig genug sind, können sie in die freie Wildbahn entlassen werden. Dafür sucht Tierschutz Austria laufend geeignete, naturnahe Gärten. Wer einen geeigneten Garten hat, kann ihn eintragen lassen und somit Teil von Österreichs „längster Igelstraße“ werden.