Seit fast 25 Jahren analysiert Prohaska für den ORF Fußballspiele, sein spezieller Wunsch „Gute Nacht“ ist zu einem Markenzeichen geworden. Manchmal launig und mit einem Schmunzeln, immer aber mit bestem Fachwissen kommentiert er Spielzüge, Ergebnisse und Mannschaftsaufstellungen:
„Ich habe schnell festgestellt, mir taugt das, ich schlafe besser und muss mich nicht mehr ärgern. Dann habe ich für mich beschlossen, dass ich den Trainerjob nicht mehr mache“, blickt Prohaska auf die Zeit zurück, als er sich für den Job als Analytiker entschied. Immerhin war ihm damals auch der Job als Nationaltrainer Griechenlands angeboten worden.
Meister, Cupsieger und ein Ritterschlag
Als Spieler wurde er mit der Austria sieben Mal Meister und vier Mal Cupsieger, dazu kommen in Italien ein Meistertitel mit AS Roma 1983 und ein Cupsieg mit Inter Mailand 1982 sowie zwei WM-Teilnahmen (1978, 1982). 1978 stand „Schneckerl“, wie er wegen seiner einstigen Haarpracht genannt wurde, mit der Austria im Finale des Cups der Cupsieger. Das erste Europacup-Endspiel eines österreichischen Teams endete mit einem 0:4 gegen Anderlecht. „Das war meine bitterste Niederlage als Spieler. Wir waren chancenlos.“
Sehr gute Chancen hätte Prohaska als einer der besten Mittelfeldspieler seiner Zeit in den 1970er Jahren bei Ajax Amsterdam gehabt. Der Wechsel kam aufgrund des ÖFB-Regelwerks nicht zustande, erst zwei Jahre später und nach einer Regeländerung konnte er ins Ausland wechseln. Zu dieser Zeit waren in der Serie A in Italien zunächst maximal ein, dann zwei Ausländer pro Verein erlaubt – ein Transfer zu einem italienischen Spitzenclub bedeutete also gleichsam einen Ritterschlag, eine Adelung zu einem absoluten Klassefußballer.
Bittere Erlebnisse: 0:9 und Frank Stronach
Als Trainer schaffte er mit der Austria je zweimal Meistertitel und Cupsieg, mit dem Nationalteam schaffte er 1998 die bisher letzte WM-Teilnahme. Als „peinlichste, aber nicht bitterste“ Trainererfahrung bezeichnete Prohaska das 0:9 des ÖFB-Teams 1999 in Spanien, das seine Teamchef-Karriere beendete. „Richtig bitter war mein letztes Trainerjahr bei der Austria (Anm.: 1999 – 2000). Ich habe mich voll reingehaut in dem Glauben, dort etwas weiterbringen zu können, aber dann ist Frank Stronach gekommen.“
Sendungshinweis
ORF-TV-Abend zum 70er auf ORF ON
ORF1, 8. August, ab 20.15 Uhr mit einem „Seitenwechsel-Spezial“, einem Porträt um 21.50 Uhr und den „Besten Talks aus ‚Willkommen Österreich‘“ um 22.45 Uhr.
Zum damaligen Club-Mäzen gab es von Beginn an ein gestörtes Verhältnis. Stronach habe Fußball-Fachwissen komplett gefehlt. Er habe die Austria wie ein kanadisches Eishockeyteam spielen lassen wollen. Zudem sei er für Stronach als Trainer kein Thema gewesen, „denn wer 0:9 verliert, kann kein guter Trainer sein“, zitierte Prohaska Stronach. Dessen Wunsch, ihn als Sportdirektor bei der Austria einzusetzen, lehnte Prohaska ab, weil er gewusst habe, dass es mit ihm nicht gehen werde.
„Superintakte Familie“
Besonders wichtig sind Prohaska seine Familie und seine Freunde. Seit 51 Jahren verheiratet hat er eine „superintakte Familie mit zwei großartigen Töchtern und Schwiegersöhnen und vier großartigen Enkeln“ und einen großen Freundeskreis. Das Pflegen von Freundschaften hat für Prohaska eine hohe Bedeutung. Seit über 30 Jahren ist nahezu jeder Montag dafür reserviert, mit alten Kameraden ein bisschen Sport zu betreiben, vor allem aber gemütlich zusammenzusitzen und „Schmäh zu führen“.
Für die Zukunft wünscht sich Prohaska „von ganzem Herzen, dass die Wartezeit auf eine WM-Teilnahme 2026 vorbei ist“. Lob spricht der ehemalige Trainer der österreichischen Nationalmannschaft dem aktuellen Trainer des Teams, Ralf Rangnick, aus: "Unsere Mannschaft ist wirklich gut, so wie jetzt mit Pressing, Tempo und Dominanz haben wir noch nie gespielt.“ Rangnick lasse seiner Meinung nach „seit Jahrzehnten den besten Fußball spielen“.