Pfandregale im MuseumsQuartier
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Pfandflaschen

MuseumsQuartier führt Pfandregale ein

Seit der Einführung des Flaschenpfands wird in Wien über mögliche Pfandringe diskutiert. Während Städte wie Linz und Salzburg diese bereits nutzen, lehnt Wien sie mit Verweis auf mögliche Probleme ab. Das MuseumsQuartier setzt seit dieser Woche dennoch auf Pfandregale.

Seit der Einführung des Pfandsystems auf Plastikflaschen Anfang des Jahres suchen zunehmend Menschen diese Flaschen aus Mistkübeln heraus, um ihr Einkommen aufzubessern. Im Wiener Stadtpark etwa ist das Sammeln von Pfandflaschen zu einem alltäglichen Anblick geworden. Die gesammelten Flaschen können dann im Supermarkt gegen kleine Geldbeträge getauscht werden.

Auch in kleineren Parks wie dem Hugo-Gottschlich-Park in der Brigittenau sind Menschen zu beobachten, die Flaschen aus dem Müll ziehen, wie Passantinnen und Passanten bei einem „Wien heute“-Lokalaugenschein berichteten. Besonders auffällig ist, dass nicht nur Erwachsene, sondern auch Kinder in diesen Parks nach Pfandflaschen suchen.

Pfandregale im MuseumsQuartier

Im MuseumsQuartier (MQ) in Wien sind kürzlich Pfandregale eingeführt worden, um eine einfache und saubere Entsorgung von Pfandflaschen zu ermöglichen. Diese Maßnahme ist Teil der Initiative „MQ goes Green“, die auf nachhaltiges Handeln abzielt. „Auch Pfandsammler:innen müssen damit nicht mehr in Mistkübeln nach Pfandflaschen suchen“, hieß es in einer Aussendung.

Pfandregale im MuseumsQuartier
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Mit den Pfandregalen sollen auch gesellschaftsrelevante Diskurse angeregt werden

Das MQ setze damit einen weiteren Schritt in Richtung Nachhaltigkeit, indem es sowohl ökologische als auch soziale Aspekte berücksichtigt. Die Pfandregale sollen den Besucherinnen und Besuchern ermöglichen, ihre Flaschen und Dosen sauber und ohne Umstände abzustellen.

Positive Rückmeldungen aus anderen Städten

In Linz und Innsbruck sind bereits seit Längerem Pfandringe im Einsatz – und man zeigt sich dort zufrieden mit deren Wirkung. Die Pfandgebinde würden wie vorgesehen in den Ringen abgestellt und auch sehr rasch wieder von dort entnommen. Ende des Vorjahres wurden in der Linzer Innenstadt 17 Stück installiert. Salzburg und Graz haben kürzlich nachgezogen.

Pfandring in Linz
©StadtLinzSturm
Die Stadt Linz setzt bereits seit Beginn des Pfandsystems auf Pfandringe

Stadt Wien nach wie vor gegen Pfandringe

Die Stadt Wien steht Pfandringen weiterhin skeptisch gegenüber. Wie in einer Stellungnahme gegenüber dem ORF Wien betont wurde, habe man sich mit deutschen Städten ausgetauscht – die negativen Erfahrungen hätten dabei überwogen. „Zum Thema Pfandringe beschäftigt sich unsere MA 48 schon seit einigen Jahren mit internationalen Erfahrungen. Einige Städte wie Köln, Hannover oder Berlin haben ausführliche, mehrjährige Tests dazu gemacht, teilweise auch durch externe Institute begleitet“, so die Stadt.

Außerdem wolle man „noch mehr Müll“ vermeiden. „Pfandabstellmöglichkeiten ziehen nicht nur Pfandflaschen an, sondern auch diversen Abfall – wir wollen jedoch keine Müllhotspots im öffentlichen Raum schaffen, die unsere Bemühungen für eine saubere Stadt konterkarieren. Es hat sich auch gezeigt, dass Menschen nicht nur leere Gebinde abstellen, sondern auch z. B. halbvolle Becher. Dies lockt Insekten wie Wespen und andere Tiere an, was wiederum zu einem hygienischen Problem wird“, hieß es weiter.

Pfandsammler zwischen Armut und Umweltschutz

Seit der Einführung des Flaschenpfands wird in Wien über mögliche Pfandringe diskutiert. Während Städte wie Linz und Salzburg diese bereits nutzen, lehnt Wien sie mit Verweis auf mögliche Probleme ab. Das MuseumsQuartier setzt seit dieser Woche dennoch auf Pfandregale.

Soziale und ökologische Vorteile durch Pfandringe

Alban Knecht, Armutsforscher an der Bertha von Suttner Privatuniversität und Experte für das Pfandsystem, sieht in den Bedenken der Stadt Wien keine stichhaltigen Argumente. Er vermutet den Grund eher darin, dass Städte mit hohem Tourismusaufkommen stärker auf ihre Außenwirkung achten: „Die hätten gern so ein Image, dass es keine Armut gibt. Aber Armut gibt es natürlich in allen österreichischen und deutschen Hauptstädten, und darüber kann man nicht hinwegsehen“, sagte er.

Er plädiert für einen Perspektivwechsel: „Die Stadt sollte das als Chance sehen, auch zu zeigen, dass sie eine soziale und ökologische Stadt ist, und den Pfandring als Teil eines ökologischen Engagements verkaufen.“

Knecht betonte zudem, dass nicht nur obdachlose Menschen Flaschen sammeln. Seine Forschungen haben ergeben, dass auch Pensionistinnen und Pensionisten sowie generell Menschen, „die mit wenig Geld auskommen müssen“, Pfandflaschen nutzen, um sich etwas dazuzuverdienen.

Ökologische Vorteile durch das Flaschensammeln

„Jede Pfandflasche, die im Müll landet – insbesondere Glasflaschen, die ja mehrfach verwendet werden sollen – ist verloren gegangen“, sagte der Forscher. Glasflaschen könnten bis zu 60-mal wiederverwendet werden, der Energieaufwand für das Recycling aus dem Restmüll sei dagegen hoch. Das Ziel müsse sein, dass „jede Flasche möglichst wieder ins System zurückkommt“, so Knecht. „Es ist eigentlich eine Win-win-Situation: Menschen, die das Geld brauchen, bekommen es – und dem System wird ebenfalls geholfen.“