Seit einigen Wochen stehen Bauzäune auf dem Dr.-Karl-Lueger-Platz. Am Donnerstag wurde das Denkmal des Ex-Bürgermeisters abgetragen. Mit einem Kran wurde die Statue von ihrem Sockel gehoben. Die Statue soll nun in einer Werkstatt gereinigt werden. In einem nächsten Schritt folgt die Kontextualisierung des Denkmals.
Denkmal in Schieflage
Das Denkmal beim Stubentor wurde 1926 errichtet und sorgte seit Jahren für Debatten. Immer wieder wurde von Kritikern eine Umgestaltung oder gar Entfernung gefordert. Das umstrittene Bauwerk wurde auch immer wieder mit Farbe überschüttet und besprüht. Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) hatte im Mai 2021 zu einem runden Tisch mit rund 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmern geladen, um die unterschiedlichen Positionen zusammenzuführen.
Vor Kontextualisierung: Lueger-Denkmal in Wien abgetragen
Die Bronzefigur des wegen Antisemitismus umstrittenen früheren Wiener Bürgermeisters Karl Lueger ist abgetragen worden. Das Denkmal soll nun gereinigt werden, bevor es im Zuge einer Kontextualisierung um 3,5 Grad gekippt wird.
Im Herbst 2022 wurde schließlich ein Wettbewerb für die Gestaltung gestartet, zu dem 13 Künstlerinnen und Künstler geladen wurden. Die Jury, der Eva-Maria Stadler von der Universität für angewandte Kunst Wien vorstand, entschied sich schließlich für den Entwurf „Schieflage (Karl Lueger 3,5°)“ von Klemens Wihlidal. Er hatte seinen Entwurf bereits 2009 bei einem anderen Wettbewerb eingereicht und auch damals gewonnen.
Den Grund für diese Kippung erklärte der Künstler im Jahr 2023 so: „Diese 3,5 Grad, das ist der Punkt, wo ich zum ersten Mal Irritation spüre, und ich glaube, das ist sogar mehr, als wenn ich das 45 Grad neigen würde.“
Antisemit und Erneuerer
Lueger war von 1897 bis 1910 Bürgermeister von Wien und Mitgründer der Christlich Sozialen Partei (CS). Seine Amtszeit war wichtig für die Entwicklung Wiens zu einer modernen Großstadt. Gleichzeitig war Lueger bekennender Antisemit und einer der Vorreiter des politischen Antisemitismus. Er nutzte judenfeindliche Ressentiments, um Unterstützung zu bekommen. Adolf Hitler bezeichnete ihn später in seinem Buch „Mein Kampf“ als „Vorbild“.