Zudem wird es umfangreiche Bauarbeiten am Straßenbahn- und U-Bahn-Netz geben. Die Gesamtkosten sollen für die staatliche Österreichischen Bundesbahnen bei rund einer Milliarde Euro liegen, die Wiener Linien geben sich zu den Aufwendungen bedeckt. Die umfangreichen Arbeiten seien notwendig, da die Bauwerke zum Teil bis auf das Jahr 1860 zurückgingen und die Baustellen nicht einspurig geführt werden könnten. So werden etwa die Ungarbrücke abgerissen und ganze Viadukte erneuert. Dazu kommen neue Sicherungssysteme und barrierefreie Bahnsteige.
Spitzenzeiten in der Früh meiden
An die Kundinnen und Kunden appellieren ÖBB und Wiener Linien, sich rechtzeitig zu informieren und – wenn möglich – die Spitzenzeiten in der Früh zu meiden. „Ich möchte mich für die Unannehmlichkeiten entschuldigen und um Verständnis bitten“, so ÖBB-Infrastruktur-Vorständin Judith Engel. Aber um das erhöhte Fahrgastaufkommen zu bewältigen, brauche man längere und mehr Züge. Die Sommersperren der vergangenen beiden Jahre wären gut gelaufen, auf diese Erfahrung setzten ÖBB und Wiener Linien nun.
Obendrein seien die Maßnahmen in den Sommerferien die Generalprobe für die 14-monatige Hauptsperre im Herbst 2026. Entwarnung gibt es teilweise für die Anrainer in Wien: In der Nacht wird, bis auf wenige Ausnahmen, nicht gebaut, so die Bundesbahnen zur APA.
Große „Öffi“-Sperren im Sommer
Große „Öffi“-Sperren im Sommer | Wien kritisiert Plan für nationale Asylpakt-Novelle | Baustart für 600 Wohnungen in Oberlaa | Weniger Bühnen und Acts: Donauinselfest muss sparen | Meldungsblock | Live vor dem Opernball
Keine Nacht-Baustellen
Die geänderte Streckenführung im Juli sei den Fahrgästen bereits aus dem Vorjahr bekannt, im August werde aber alles neu. Dafür werde es umfangreiche Info-Angebote geben, auch für die Einpendler aus Niederösterreich. „Es wird punktuell voll werden“, warnte am Donnerstag Alexandra Reinagl, Vorsitzende der Wiener Linien. Sie erinnerte daran, dass die Wiener Linien täglich 2,4 Millionen Fahrgäste befördern und das sechstgrößte Straßenbahnnetz der Welt betreiben.
Die Baustellen im Detail
Die Sperren sind in zwei zentrale Bauphasen eingeteilt: eine erneute Sommersperre zwischen Wien Floridsdorf und Wien Praterstern von 4. Juli bis 6. September sowie eine 14-monatige Hauptsperre zwischen Wien Praterstern und Wien Hauptbahnhof ab 7. September 2026.
Bauphase 1: Diese umfasst die Sperre der S-Bahn-Strecke in Wien zwischen den Knoten Floridsdorf und Praterstern sowie zusätzlich im August die nördlichen Anschlussstrecken zwischen Floridsdorf und Süßenbrunn, Gerasdorf und Jedlersdorf. Parallel dazu werden in den Sommermonaten 12,5 Kilometer Straßenbahngleise erneuert. Dies betrifft insbesondere den Universitätsring und Gleise bei der Spitalgasse/Währinger Straße. Teilweise Sperren gibt es auf Abschnitten der U3 und der U4.
Hart trifft es auch alle Einpendler aus dem nördlichen Niederösterreich ab dem 10. August bis zum 6. September, von Stockerau/Hollabrunn kommend. Zum Ausgleich werden hier Buslinien – zum Teil schon ab Korneuburg – eingerichtet.
Bauphase 2: Die Hauptsperre der S-Bahn vom Hauptbahnhof bis zum Praterstern vom 7. September 2026 bis Ende Oktober 2027 trifft den Nerv der Bundeshauptstadt. Hierfür haben Stadt und Bundesbahn eine Verdichtung der U-Bahn-Intervalle angekündigt. Diese sollen zwischen 2,20 und 3,20 Minuten liegen. Auch bei den Linien O, 18 und 62 soll es mehr Kapazitäten geben. Da der Bahnhof Wien Mitte nicht angefahren werden kann, wird die S7 von St. Marx aus geführt. Der CAT fährt statt auf Schiene mit dem Bus von Wien Mitte zum Flughafen Schwechat.
Rathaus-Opposition fordert Ersatzplan
Die Wiener Grünen begrüßten die Modernisierung des „Öffi“-Netzes. „Aber die Stadtregierung muss liefern und ein Ersatzpaket aufsetzen, das diesen Namen verdient: mit spürbaren Taktverdichtungen, zusätzlichen Garnituren und Personal, deutlichen Verbesserungen der Straßenbahn und echten Vorrang-Routen für Öffis auf der Oberfläche“, so die Grünen Mobilitätssprecher Heidi Sequenz und Kilian Stark.
Die Wiener ÖVP forderte von der Stadt einen klaren Ersatzplan. „Die Modernisierung der Infrastruktur ist notwendig, aber die SPÖ-NEOS-Stadtregierung darf die Wienerinnen und Wiener mit den Folgen nicht alleine lassen“, sagte die ÖVP-Verkehrssprecherin Elisabeth Olischar. „Wer hunderttausende Menschen täglich zum Umsteigen zwingt, muss auch garantieren, dass diese Alternativen funktionieren.“
Die FPÖ Wien sieht in den Sperren eine „Farce“. „Gleich mehrere zentrale Verkehrsadern lahmlegen und den Fahrgästen dafür auch noch höhere Preise verrechnen ist eine Farce“, sagte Gemeinderat Klemens Resch. „Die rot-pinke Stadtregierung ist gefordert, die Ticketpreise auszusetzen und ein überzeugendes Ersatzkonzept vorzulegen, das diesen Namen auch verdient.“