Am Anfang sind es unzählige Antworten auf Anzeigen, es folgen Einladungen zu Massenbesichtigungen. Soweit nicht unüblich, aber die Vermieter wollen ihre künftigen Mieter genauer kennenlernen. Es werden Einkommensnachweise verlangt, auch Motivationsschreiben bzw. Steckbriefe über sich selbst. Vermieter wollen wissen, wer man ist, wie alt man ist, warum man die Wohnung haben will. Es geht sogar so weit, dass Interessenten Angaben zu ihrer Freizeitgestaltung machen müssen oder wie sie die Wohnung ausstatten wollen.
Laut Mietervereinigung geht es nicht um Einzelfälle. Es sei grundsätzlich legal, solche Dokumente zu verlangen, aber auch nicht unumstritten. Man müsse auch nicht alle Fragen beantworten, betonte die Vorsitzende der Mietervereinigung Wien, Elke Hanel-Torsch: „Zum Beispiel Fragen zur sexuellen Orientierung, zur Religion. Das sind eigentlich unzulässige Fragen, die greifen in den höchstpersönlichen Lebensbereich ein.“
Neue Hürden bei Wohnungssuche
Neue Hürden bei Wohnungssuche
Neue Hürden bei Wohnungssuche
200 Anfragen in 30 Minuten
Dass es für junge Menschen derzeit nicht einfach ist, eine passende Wohnung zu finden, sieht man auch beim Verband der Immobilienwirtschaft: „Wir merken es, wenn eine Hausverwaltung, ein Makler ein Angebot online stellt, innerhalb einer halben Stunde sind 200 Anfragen da“, so Geschäftsführer Anton Holzapfel. Verantwortlich dafür seien die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Es gebe zu wenig Angebot, die Kosten etwa für den Bau oder das Grundstück seien unglaublich gestiegen.
Neue Rahmenbedingungen als Ausweg
Laut einer Studie der Arbeiterkammer Wien lebt nach dem Auszug aus dem Elternhaus jeder und jede Zweite in privater Hauptmiete, rund 35 Prozent in geförderten Wohnungen. In Wien ist gerade leistbarer Wohnraum laut Mietervereinigung knapp. Zwar gebe es genug Wohnungen, die aber für viele Menschen unleistbar seien. Das Finanzielle sei eine sehr große Hürde.
Gefordert sei hier die Politik. Sie müsse neue Rahmenbedingungen schaffen, die mehr Wohnbau ermöglichen können. Neu gebaut werden sollte aber nur, wenn die Wohnungen für die Menschen auch leistbar sind, sieht die Mietervereinigung einen Ausweg.