„Wenn man an diesen Werken vorübergeht, bekommt man Lust, sich entsprechend zu bewegen“, so Generaldirektor Ralph Gleis bei der Präsentation am Dienstag. Es sei „eine quasi tanzbare Ausstellung“ – „schwungvoll, dynamisch“.
Beginn des Starkults
Die meisten der rund 120 gezeigten Werke stammen aus der Zwischenkriegszeit. In diesem laut Gleis „für die Tanzfotografie sehr fruchtbaren“ Abschnitt entfaltete sich die Tanzmoderne in Abgrenzung zum klassischen Ballett als breite Bewegung.
Ausstellungshinweis
„Tanzbild“, Albertina Modern, 3. März bis 6. Juni, 10.00 bis 18.00 Uhr, Karlsplatz 5, 1010 Wien
Los geht es im chronologischen Ablauf aber Mitte der 1860er Jahre: Man sieht Porträts oder Stellungsposen. „Das war nicht nur der Beginn der Fotografie als Massenmedium, sondern auch der Beginn des Starkults“, erläuterte Kuratorin Astrid Mahler. „Zeitgenossinnen sammelten diese Bilder.“
Bewegungsfotos als „Revolution“
Von den starren Posen geht es weiter zum Kapitel Bewegungsmoment. „Ohne die technischen Neuerungen, die in der Fotografie passiert sind, gäbe es keine dynamischen Tanzaufnahmen“, betonte Mahler. „Diese Pioniere entwickelten zum Beispiel eine Möglichkeit der ganz kurzen Belichtungszeit. Das bewirkt, dass Bewegung fotografiert werden kann, eine Revolution in der Tanzfotografie.“ Ein Beispiel dafür sind etwa Aufnahmen von Josephine Baker, die Ernst Hartmann während eines Auftritts der Legende im Ronacher schoss.
Eine Revolution löste auch Tänzerin Isadora Duncan aus. „Sie entwickelte den neuen, freien Tanz in Ablehnung des Balletts. Sie propagierte die freie Körperbewegung“, erzählte die Kuratorin. Duncan beeinflusste andere Tänzerinnen wie die Schwestern Wiesenthal in Wien, aber auch expressionistische Künstler wie Egon Schiele, so Mahler. Im Rundgang verdeutlicht sich, wie sich im Wechselspiel die Fotografie ebenso wie der Tanz von strengen Konventionen abnabelt.
Akte und Halbakte ab Mitte der 1920er
In der Zwischenkriegszeit ist vor allem die Tänzerin – „denn die Tanzmoderne ist weiblich“ (Mahler) – ein beliebtes Motiv in Magazinen. „Zunehmend, ab Mitte der 20er, entblößt sie sich, sogar am Cover. Man sieht nun Akte und Halbakte. Das war auch ein Zeichen für den Aufbruch nach dem Ersten Weltkrieg“, erklärte die Kuratorin. Die soziopolitischen Veränderungen kommen damit zum Ausdruck.
Auftakt zu einer Ausstellungsserie
„Tanzbild“ versammelt mitunter rare Aufnahmen von namhaften Vertretern der Zunft wie Lisett Model, Erwin Blumenfeld, Hugo Erfurth, Trude Fleischmann, Rudolf Koppitz, Charlotte Rudolph und Anton Josef Trcka. Abgebildet sind Größen wie Anita Berber, Sebastian Droste, Duncan, Anna Pawlowa und Mary Wigman.
Integriert ist auch eine bewegte Sequenz per Projektion: Die Berliner Fotografin Suse Byk filmte Valeska Gert 1925 bei der Darbietung einiger ihrer pantomimischen Rollentänze – neben Plakaten eine aufschlussreiche Ergänzung.
Man wolle weiter aus der fotografischen Sammlung schöpfen, kündigte Generaldirektor Gleis an. „Tanzbild“ sei der Auftakt zu einer Serie. Noch heuer ist eine „Ausstellung zu den frühen Reisefotografien“ geplant, sagte er.