Behandlungszimmer Gynäkologie
ORF
ORF
ÖGK

Umstrittener Gynäkologe: Vertrag gekündigt

Die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) hat einem umstrittenen Wiener Frauenarzt den Kassenvertrag gekündigt. Mehrere Frauen haben dem Gynäkologen vorgeworfen, Leistungen doppelt verrechnet zu haben. Zudem soll er Frauen eingeschüchtert und bloßgestellt haben.

Nach monatelangen Recherchen des Magazins „Dossier“ und Berichten des ORF gibt es nun Konsequenzen für einen Wiener Gynäkologen, wie die ÖGK am Freitagnachmittag dem ORF Wien mitteilt: „Die Österreichische Gesundheitskasse hat den betreffenden Vertragsarzt genau geprüft und mit 30.06.2026 die Vertragskündigung ausgesprochen. Der Arzt hat dagegen Einspruch erhoben. Zum laufenden Verfahren erteilen wir keine weiteren Auskünfte.“

Ultraschall privat und über Kasse abgerechnet

Drei Frauen erheben gegen den Gynäkologen Vorwürfe der Doppelverrechnung und der Verrechnung nicht erbrachter medizinischer Leistungen. Zwei von ihnen halten eine Honorarnote des Arztes in Händen über einen durchgeführten Ultraschall, der privat bezahlt werden musste. Beide stellen fest: Der Ultraschall wurde nicht nur ihnen verrechnet. Eine der Frauen überprüfte die Leistungsinformation der ÖGK. „Dann habe ich gesehen, dass mir im Jahr 2023 der Ultraschall privat verrechnet wurde, aber auch der ÖGK“

Was alle drei Frauen gemeinsam haben: Bei jeder von ihnen soll laut Leistungsinformationen – die auch dem ORF Wien vorliegen – eine genaue Untersuchung des Gebärmutterhalses mit einem Kolposkop durchgeführt worden sein. Doch alle drei Patientinnen sind sich sicher, dass diese Untersuchung nie stattgefunden hat. Die betroffene Frau war innerhalb einer Woche zweimal bei dem Gynäkologen. Beide Male soll die Untersuchung stattgefunden haben. „Ich wüsste auch gar nicht, was der Anlass einer solchen Untersuchung wäre bei mir.“

Arzt bestreitet Vorwürfe

Der Arzt bestreitet in einer Stellungnahme gegenüber dem ORF Wien die Vorwürfe. Es könne sein, dass Patientinnen die Kolposkopie nicht als eigenständige Untersuchung wahrnehmen. Zu der mutmaßlichen Doppelverrechnung heißt es: Ein Ultraschall könne manchmal eine kassenärztliche Leistung und darüber hinaus eine Zusatzleistung beinhalten. Auf Nachfrage verneint die ÖGK das. Es sei immer nur eine Verrechnungsart möglich.

ÖGK kündigt Vertrag mit Frauenarzt nach Vorwürfen

Die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) hat einem umstrittenen Wiener Frauenarzt den Kassenvertrag gekündigt. Mehrere Frauen haben dem Gynäkologen vorgeworfen, Leistungen doppelt verrechnet zu haben. Zudem soll er Frauen eingeschüchtert und bloßgestellt haben.

Der Arzt soll auch immer wieder durch unethisches Verhalten aufgefallen sein, wie die drei Patientinnen berichten. Die Betroffene erinnerte sich gegenüber dem ORF Wien an eine Aussage des Arztes bei einer Ultraschalluntersuchung: „Er sieht da nichts und das wäre eine Scheinschwangerschaft wie bei Tieren: ‚Sie können sich gar nicht vorstellen, wie oft sich Frauen eine Schwangerschaft vor lauter Kinderwunsch einbilden‘.“ Sie war zu dem Zeitpunkt bereits schwanger.

Arzt beschäftigt auch Ärztekammer

Was die Gründe für die jetzige Vertragskündigung sind, ist unklar. Ob es sich dabei nur um falsche Verrechnungen handelt, ist fraglich. Sicher ist jedenfalls: Auch der Disziplinarrat der Wiener Ärztekammer beschäftigte sich schon mit dem Gynäkologen. Wie „Dossier“ berichtet, wurde er im letzten Jahr wegen Berufspflichtverletzungen mehrfach verurteilt. Noch heuer müsse er sich erneut vor der Kammer verantworten.