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Hitze in Schulen: „Unterricht nicht mehr möglich“

Temperaturen bis zu 39 Grad in Wiens Klassenzimmern – das zeigt eine Umfrage der Personalvertretung der Lehrkräfte an den Pflichtschulen. Personalvertreterin Melanie Rössler (FSG) drängt auf rasche Maßnahmen: „Unterricht ist bei diesen Temperaturen einfach nicht mehr möglich.“

Über 350 Temperatur-Meldungen aus Wiener Schulen erhielt die FSG-Pflichtschulvertretung seit Montag. „Momentan ist es so, dass wir kaum Werte unter 30 Grad haben“, schilderte Rössler im Radio-Wien-Interview. „Bei manchen wurden sogar Temperaturen von 39 Grad gemessen.“ Betroffen seien innerstädtische Schulen, aber teilweise auch Schulen in den Außenbezirken.

Schon in der Früh sei es in den Klassen zu heiß, betonte die Personalvertreterin. „Und man darf nicht vergessen, man sitzt da teilweise zu dreißigst in einem Klassenraum. Das macht ja dann noch einmal ein bisschen mehr Hitze.“ Verschärft wird die Situation auch dadurch, dass ein Lüften und damit Abkühlen der Schulen über Nacht nicht möglich ist.

Hitze in Schulen: „Unterricht nicht mehr möglich“

In Wiens Pflichtschulen herrschen derzeit Temperaturen von bis zu 39 Grad – das zeigt eine aktuelle Umfrage der Lehrkräfte‑Personalvertretung. Für Personalvertreterin Melanie Rössler (FSG) ist klar: Unter diesen Bedingungen sei Unterricht kaum noch machbar. Sie fordert rasche und wirksame Maßnahmen, um Schüler und Lehrkräfte vor der extremen Hitze zu schützen.

Vorhänge in Schule offenbar durch Stadt entfernt

Ein großes Problem seien fehlende Beschattungsmöglichkeiten – und man könne auch nicht den ganzen Tag bzw. jeden Tag im Freien verbringen, so Rössler weiter. Besonders befremdlich mutet in dem Zusammenhang eine Meldung an, die den ORF aus der MS Glasergasse 8 in Wien-Alsergrund erreichte: Eine Lehrerin schilderte, dass am Dienstag von Seiten der Stadt ohne Vorinformation die Vorhänge im Schulgebäude abgenommen worden seien.

Die MA 56 (Schulen) kündigte an, dass die Beschattung schnellstmöglich wieder angebracht wird – die Vorhänge seien aus Gründen der Sommerinstandhaltung abgenommen worden.

Forderung nach Unterrichtsverkürzung

Die Personalvertretung der Lehrerinnen und Lehrer an den Pflichtschulen fordert nun einerseits schnelle Maßnahmen, die in der akuten Situation helfen. Als Beispiel wird eine Unterrichtsverkürzung mit Einverständnis der Eltern genannt. Gefordert werden schulzeitgesetzliche Novellierungen, die den Schulen mehr Handlungsspielraum geben würden. Eine Debatte über eine Verkürzung der Sommerferien sei jedenfalls fehl am Platz, wird betont.

Gleichzeitig brauche es längerfristige Maßnahmen – vor allem in Hinblick, dass sich die Hitzewellen in den nächsten Jahren möglicherweise immer weiter nach vorne verlegen würden. „Das müssten jetzt langfristige Projekte sein, die müssten aber spätestens jetzt beginnen“, sagte Rössler. Sie plädierte dafür, sich mit Fachleuten anzuschauen, wie man hier sinnvoll investieren könnte.

Schulschluss um 12.00 Uhr im Gymnasium Kundmanngasse

Am Mittwoch finden bereits die Notenkonferenzen statt – zumindest Leistungsdruck gibt es also in Kürze nicht mehr. Quasi „hitzefrei“ bekommen die Schülerinnen und Schüler am Gymnasium Kundmanngasse in Wien-Landstraße, wie „oe24.at“ berichtete: Am Donnerstag und Freitag können die Schülerinnen und Schüler bereits um 12.00 Uhr abgeholt werden, kurz vor Beginn der Mittagshitze.

Auch von einer Wiener Campus-Volksschule wurde am Nachmittag das Angebot an die Eltern ausgeschickt, dass ihre Kinder angesichts der extremen Temperaturen in den Klassen am Donnerstag schon um 14 statt wie üblich um 15.30 Uhr entlassen werden können. Betreuung wird bei Bedarf wie üblich angeboten, wird in dem der APA vorliegenden Schreiben betont. Eine ähnliche Regelung sei wegen der prognostizierten Hitze auch für Anfang kommender Woche angedacht.

Keine fixe Regelung für „hitzefrei“

Von der Wiener Bildungsdirektion wurde am Dienstag keine allgemeine Regelung vorgegeben, wie es auf APA-Anfrage hieß. Die Schulen könnten im Rahmen ihrer Schulautonomie und der schulrechtlichen Regelungen „organisatorische Maßnahmen“ treffen. In einem Informationsschreiben wurden die Schulen auf die Möglichkeit hingewiesen, die Unterrichtsorganisation „flexibel“ zu gestalten und vom Stundenplan abzuweichen oder verlängerte oder zusätzliche Pausen abzuhalten.

Auch wenn immer öfter Hitzewellen Österreich schon vor den Sommerferien erreichen, ist an Schulen wegen der Betreuungspflicht nicht ab bestimmten Temperaturen „hitzefrei“. Zunächst muss laut Ministerium mit „gelinderen Maßnahmen“ versucht werden, für einen zumutbaren Unterricht zu sorgen – etwa indem Klassen an kühlere Orte wechseln oder Ventilatoren angeschafft werden. Schulfrei kann grundsätzlich nur bei „Unbenützbarkeit des Schulgebäudes“ gegeben werden.

Im Ministerium ist man sich des Problems bewusst, hieß es auf APA-Anfrage im Büro von Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS). Wie virulent es ist, zeigte am Dienstag eine Hitzewarnung für Niederösterreich. Dort wurden die Schulen und andere Einrichtungen wie Pflegeheime aufgefordert, ihre internen Hitzeschutz- und Maßnahmenpläne umzusetzen.

Grüne beantragen Hitzeschutzplan im Gemeinderat

Die Grünen bringen in den letzten Gemeinderatssitzungen vor der Sommerpause einen Antrag an Bildungsstadträtin Bettina Emmerling (NEOS) ein, in dem sie einen Hitzeschutzplan für alle Pflichtschulen und Kindergärten fordern. Unter anderem schlagen sie Außenjalousien vor, sowie Regelungen, die ein nächtliches Querlüften ermöglichen. Auf das Problem des Nicht-Lüften-Könnens in der Nacht machte auch der Grüne Bildungssprecher und Lehrer Felix Stadler auf Instagram aufmerksam. Schon vor Unterrichtsbeginn hatte er am Dienstag in seiner Klasse 31 Grad gemessen.