Der Wiener Wirtschaftskammerpräsident Walter Ruck
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Medienberichte

Freunderlwirtschaft: Protokoll belastet Ruck

Der Leak eines internen Gesprächsprotokolls soll zeigen, wie der Präsident der Wiener Wirtschaftskammer (WKW), Walter Ruck, in der Wiener Politik Posten für Günstlinge beschafft habe. „Profil“ und „Kronen Zeitung“ zitierten am Freitag umfassend aus dem Protokoll.

Schon seit Monaten steht Ruck in der Kritik. Er soll Familienmitglieder in wichtige Posten gehievt haben. Ruck betonte bisher, nicht direkt in die Besetzungen eingebunden gewesen zu sein. Dem widerspricht das Gesprächsprotokoll, über das „profil“ und „Krone“ berichten.

Darin prahlt Ruck, wie er bei Postenbesetzungen in der Wiener Wirtschaftskammer und auch in der Stadtpolitik mitspricht. Das Gespräch soll rund um den Jahreswechsel 2025/26 stattgefunden haben. Details über den Ort des Gesprächs und die Teilnehmer veröffentlichten die Medien aus Gründen des Informantenschutzes nicht.

Soll bei Juraczka-Bestellung mitgesprochen haben

Eines der Beispiele, wie Ruck mit Posten jongliert haben soll, zeigt die Bestellung des früheren ÖVP-Gemeinderats Manfred Juraczka zum zweiten Geschäftsführer der Wirtschaftsagentur Wien. Diese sorgte bereits für politische Aufregung, weil die Bestellung ohne Ausschreibung erfolgte.

Kritik an Hinterzimmerdeals von WKO-Präsident Ruck

Walter Ruck, Präsident der Wiener Wirtschaftskammer, gerät erneut unter Druck. Das Nachrichtenmagazin „profil“ und die „Kronen Zeitung“ veröffentlichten Inhalte eines vertraulichen Gesprächs, in dem Ruck unter anderem über Postenbesetzungen spricht, die er maßgeblich beeinflusst haben soll. Ruck weist sämtliche Vorwürfe zurück.

Im „profil“-Artikel wird geschildert, dass Juraczka bei Ruck nach einem Job fragte, wie der WKW-Präsident in dem Protokoll sagte: „Am liebsten wäre mir, ich könnte irgendwo hingehen, wo ich gleich mein Mandat abgebe“, soll Juraczka gesagt haben. Ruck habe ihm daraufhin nach ein paar Tagen Bedenkzeit den Job bei der Wirtschaftsagentur angeboten. Dafür habe Ruck auch bei Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) interveniert.

„Können Aussagen nicht bestätigen“

Der ORF fragte bei allen Beteiligten um Stellungnahmen an. Juraczka sagte gegenüber dem ORF: „Ich behandle persönliche Gespräche grundsätzlich vertraulich.“ Ein Sprecher Ludwigs sagte dem Magazin, „dass es im Sinne des Gründungsgedankens der Wirtschaftsagentur Wien gelebte Praxis ist, dass die Wirtschaftskammer Wien den zweiten Geschäftsführer vorschlägt“. Und: „Die Bestellung von Manfred Juraczka erfolgte durch einen Beschluss des Vorstandes, und dem lag ein einstimmiger Präsidiumsbeschluss zugrunde.“

Gegenüber dem ORF betonte Ruck: „Die Wirtschaftsagentur Wien ist ein gemeinsames Projekt der Stadt Wien und der Wirtschaftskammer Wien. Die Wirtschaftskammer Wien hat daher für diese Position ein informelles Vorschlagsrecht. Die Wirtschaftskammer Wien hat Manfred Juraczka aufgrund seiner Qualifikation und Kenntnis der Wiener Landes- und Wirtschaftspolitik vorgeschlagen.“

Ruck soll Kandidatur von Sohn ermöglicht haben

Seinen Einfluss soll Ruck auch bei seiner Familie ausgespielt haben, wie das geheime Protokoll zeigt. Rucks Sohn Alexander kandidierte bei der Gemeinderatswahl 2025 als ÖVP-Spitzenkandidat in Döbling. Eingefädelt wurde das laut Protokoll von seinem Vater. Er soll die damalige Döblinger ÖVP-Gemeinderätin Margarete Kriz-Zwittkovits überredet haben, nicht nochmals zu kandidieren. „Sie hat einen Befehl bekommen, sie hat salutiert und hat gesagt: ‚Okay, ich verzichte.‘“

Kriz-Zwittkovits ist gleichzeitig Vizepräsidentin der Wiener Wirtschaftskammer. Als Ruck nach der Wirtschaftskammerwahl 2025 die Wiener Kammer umbaute, blieb Kriz-Zwittkovits davon verschont. Im vertraulichen Gespräch betonte er: „Ich merke mir Loyalität.“

Dazu betonte Ruck in seiner Stellungnahme: „Der Parteivorstand hat einen Spitzenkandidaten für die Landtagswahl für den Wahlkreis Döbling gewählt. Etwaige Gespräche zwischen Beteiligten sind vertraulich und eine Sache zwischen diesen Personen.“

Probleme mit Finanzstadträtin Novak

Das Gesprächsprotokoll gibt auch einen Einblick in Rucks Frauenbild. So soll er zunächst mit der Finanzstadträtin Barbara Novak (SPÖ) ein schwieriges Verhältnis gehabt haben. Im Protokoll heißt es: „Heast, ich will nicht mit einer Frau. Da kann ich nicht in den Weinkeller runtergehen, was ist des?“ Rucks Weinkeller im ersten Bezirk ist laut „profil“ der Ort, in dem er Deals abschließt.

Gelöst habe sich das Problem bei einem Arbeitsfrühstück. „Die Zusammenarbeit mit Herrn Ruck ist vom gemeinsamen Interesse am Arbeits- und Wirtschaftsstandort Wien geprägt“, betonte ein Sprecher von Novak im „profil“. Ruck erklärte: „Für die Wirtschaftskammer Wien und auch ihren Präsidenten steht immer der Mensch im Vordergrund, unabhängig vom Geschlecht. Im beruflichen Zusammenhang ist das einzige Kriterium die Kompetenz.“

ÖVP geht auf Distanz

Rucks eigene Partei, die ÖVP, äußerte sich in einer der APA übermittelten Reaktion kritisch. „Uns selbst liegen keine Protokolle vor. Wir waren, wie aus den Protokollen in den Medienberichten hervorgeht, nicht in Gespräche dieser Art involviert“, versicherte man. Man distanziere sich klar von Vorkommnissen, Aussagen und dem Bild, „das hier abgegeben wird“.

Als Wiener Volkspartei stehe man klar für ein völlig anderes Politikverständnis als jenes, das in den Medienberichten zum Ausdruck kommt. Bereits seit Längerem spreche man sich auf mehreren Ebenen für Reformen aus, um derartigen Entwicklungen entgegenzuwirken. „Allfällige personelle Konsequenzen“ müsse der Wiener Wirtschaftsbund bzw. die Wirtschaftskammer treffen, betonte man.

Bundeskanzler Christian Stocker zeigte sich am Freitagabend im Ö1-Abendjournal kurz angebunden: „Das betrifft weder mich als Bundeskanzler noch die Bundesebene, ich werde dazu keine Meinung äußern.“ Auch ob Walter Ruck rücktrittsreif sei wollte Stocker nicht kommentieren.

Kritik von FPÖ, Grünen und NEOS

Die FPÖ sagte als Reaktion auf die Berichte: „Was Walter Ruck laut den veröffentlichten Aufzeichnungen über seine Gespräche mit SPÖ-Bürgermeister Michael Ludwig schildert, ist ein Skandal der Sonderklasse. Ludwig muss jetzt unverzüglich offenlegen, welche Personalentscheidungen und politischen Absprachen mit Walter Ruck getroffen wurden“, sagte Landesparteiobmann Dominik Nepp. Er kündigte an, sämtliche parlamentarischen Kontrollinstrumente ausschöpfen zu wollen.

„Einzelne Männer teilen sich die Stadt, Ämter und Geld auf. Das ist Politik des alten Denkens und erinnert an Zustände der 1960er Jahre. Dass es so etwas im Jahr 2026 noch gibt, ist völlig inakzeptabel“, kritisierten die Wiener Grünen.

Für Michael Bernhard, Bundessprecher des NEOS-Wirtschaftsverbands UNOS, „unterstreichen die aktuellen Vorwürfe, wie dringend die Wirtschaftskammer mehr Transparenz und wirksame Kontrollmechanismen braucht“. Das schade dem Vertrauen in die Wirtschaftskammer insgesamt, so Bernhard.