Dabei soll er auch die städtische Wirtschaftsagentur kritisiert haben. Diese sei der „inkompetenteste Haufen“, hieß es laut dem Bericht in dem geleakten Protokoll. Laut „Kurier“ hat sich der Bezirkschef inzwischen entschuldigt. Er bedauere seine „unangemessenen Aussagen“. Rechtfertigen wird er sich dafür aber wohl auch im Bezirk noch müssen. Die FPÖ kündigte an, dazu eine Sondersitzung der Donaustädter Bezirksvertretung zu beantragen.
Nevrivy: „Habe mich zu Aussagen hinreißen lassen“
In einer der APA übermittelten Stellungnahme hob Nevrivy hervor, dass er sich „dazu habe hinreißen lassen, derartige Aussagen zu tätigen“. Es habe sich um ein Treffen im privaten Rahmen gehandelt, betonte er. An den genauen Wortlaut damals könne er sich nicht mehr erinnern.
Auch von Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) zeigte sich Nevrivy laut Kurier bei dem Treffen in Rucks Weinkeller nicht überzeugt. Demnach soll er gesagt haben: „Der Hacker ist ja auch… Erzählen kann er dir alles sehr gut, aber diskutieren fachlich möchte ich mit ihm nicht.“
Hacker zeigte sich im Interview mit dem ORF Wien davon unbeeindruckt und verwies darauf, dass sich Nevrivy bereits entschuldigt habe.
Angeblich auch Kritik an Babler
Nevrivy soll auch SPÖ-Bundesparteichef Andreas Babler mit harscher Kritik bedacht haben, wie der „Kurier“ in weiterer Folge berichtete. Er hat den Vizekanzler angeblich unter anderem als „Bürgermeister, der nichts kann“ bezeichnet. Erstmals habe er das Gefühl, dass „ein Vorsitzender nicht so gescheit ist wie ich“, soll Nevrivy konstatiert haben. Zusatz: „Das ist deprimierend.“
Ruck hat mittlerweile alle Funktionen zurückgelegt
Walter Ruck ist inzwischen von seinen Funktionen zurückgetreten. Er soll bei dem gegenständlichen Treffen unter anderem über Parteifreunde hergezogen sein und auch über Postenbesetzungen geredet haben. Die Unterredung wurde offenbar aufgezeichnet und Protokolle den Medien zugespielt. Der Ex-Kammerchef hat von einer „Kampagne“ gesprochen und die Aussagen nie bestätigt – sie allerdings auch nie öffentlich bestritten.
Wie die „Krone“ am Donnerstag berichtete, ist in dieser Causa bei der Staatsanwaltschaft Wien eine Anzeige wegen Missbrauch der Amtsgewalt eingelangt. Beschuldigt wird neben Ruck auch der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ).