Nevrivy erklärte laut dem Protokoll eines mehrstündigen Gesprächs, das der „Krone“ und „profil“ vorliegt, dass er sich einen Teilverkauf von Wiener Gemeindewohnungen vorstellen könne. Über seine Partei, die SPÖ, stellte er fest: „Wirtschaften können wir nicht.“
Nevrivy mit Kritik an Ex-Bürgermeister Michael Häupl
„Viel dümmer kannst du es nicht mehr machen.“ Laut dem Protokoll empörte sich Nevrivy darüber, dass Ex-Bürgermeister Michael Häupl 2015 rund 2.000 neue Gemeindewohnungen angekündigt hatte. Nevrivy: „Die kommen … der Häupl, nach einem Fetz‘n, anders kann es nicht gewesen sein, und sagen: Wir brauchen mehr Gemeindewohnungen! Das war ja unglaublich. Wie ich das gehört habe … völliger Schwachsinn. Viel dümmer kannst du es nicht mehr machen.“
Später erklärte Nevrivy offenbar seinem Gesprächspartner Ruck laut Protokoll noch einmal, dass er einem Teilverkauf von Gemeindewohnungen durchaus etwas abgewinnen könne: „Gemeindewohnungen sind ja inzwischen Sozialwohnungen. Aber ich brauche keine 220.000 Sozialwohnungen“, so Nevrivy. 100.000 oder 150.000 Gemeindewohnungen würden reichen.
Dementi von Bürgermeister und Nevrivy
Ein Sprecher des Wiener Bürgermeisters betonte laut Krone, dass sich „die Stadt und ihre politischen Entscheidungsträger in der Stadtregierung“ stets „gegen eine Privatisierung von Gemeindewohnungen ausgesprochen“ hätten. Ein Verkauf von Gemeindewohnungen sei niemals angedacht worden. Jegliche Form der Privatisierung von Gemeindewohnungen sei auch für die Zukunft nicht vorstellbar.
Nevrivy wiederum erklärte gegenüber dem ORF Wien, dass er sich nicht mehr an den genauen Wortlaut der widerrechtlich aufgezeichneten Gespräche erinnern könnte. Er möchte jedoch betonen, dass er sich „bedingungslos zum sozial geförderten Wohnbau“ in Wien bekenne. Zudem könne er nur betonen, niemals mit Investoren über etwaige Privatisierungen von Gemeindebauten Gespräche geführt zu haben. Da er in diesem Bereich über keinerlei Kompetenzen verfüge, seien natürlich auch niemals Investoren dazu an ihn herangetreten, so Nevrivy gegenüber dem ORF Wien.
Nevrivy will Gemeindebauten verkaufen
Der Donaustädter Bezirksvorsteher Ernst Nevrivy gerät immer mehr unter Druck
Scharfe Kritik von FPÖ und Grünen
Die FPÖ zeigte sich fassungslos darüber, dass über die Veräußerung von Wiens Tafelsilber nachgedacht wird. Für sie sind sowohl Bürgermeister Michael Ludwig als auch Bezirksvorsteher Nevrivy endgültig rücktrittsreif. Für die Wiener Grünen steht fest: Wer 100.000 Gemeindewohnungen verkaufen will, verspielt endgültig das Erbe des Roten Wien. Für die erste Gemeinderatssitzung nach dem Sommer wollen sie einen Antrag einbringen, mit dem sichergestellt werden soll, dass kein einziger Gemeindebau verkauft werden kann.
Politikexperte sieht brüchige Parteilinie
Für Politikexperten Peter Filzmaier hat die Forderung eines mächtigen SPÖ-Bezirksvorstehers, Gemeindewohnungen zu privatisieren, doppelten Konfliktstoff. Erstens sei Privatisierung kein Thema, das der Sozialdemokratie nahesteht, sondern eher rechten Parteien. Und zweitens könnte es ein längerfristiges Diskussionsthema werden. Der Bezirksvorsteher des großen Bezirks Donaustadt ist laut Filzmaier jemand, der nicht ignoriert werden kann. Bürgermeister Ludwig könne das Thema jedenfalls nicht völlig abblocken.
Die Äußerungen von Nevrivy würden zeigen, dass innerhalb der SPÖ ein bisschen etwas bröckelt. Es häufen sich laut Filzmaier die Misstöne, die nicht wirklich in eine einheitliche Parteilinie passen. Als Bezirksvorsteher gebe es für Nevrivy bisher keine Anzeichen dafür, dass er unbeliebt ist. „Nur aus der Gesamtwiener Sicht des Bürgermeisters der SPÖ muss man sagen: Wie kommt das in den 22 anderen Bezirken an? Und da wird Nevrivy schon zunehmend zum Reibebaum.“