Modul University von außen
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BILDUNG

Ungewisse Zukunft für Modul University

Der Regierungswechsel in Ungarn vor rund 100 Tagen hat auch Auswirkungen auf Wien – konkret etwa auf die private Modul University Vienna. Denn die am Kahlenberg ansässige Uni gehört zu einem großen Teil der ungarischen Matthias-Corvinus-Stiftung. Doch diese wurde nun aufgelöst.

600 internationale Studierende werden an der Modul University Vienna unterrichtet, der Schwerpunkt liegt auf Tourismus-Management. Vor drei Jahren übernahm das ungarische Mathias Corvinus Collegium (MCC) größtenteils die Bildungseinrichtung, die ursprünglich von der Wiener Wirtschaftskammer gegründet wurde. Man wolle seine internationale Netzwerkbildung ausbauen, hieß es damals.

Für Peter Techet, Ungarn-Experte am Institut für den Donauraum und Mitteleuropa, standen dahinter klare politische Absichten. „Das ist das Modell, das Viktor Orban für Ungarn entwickelt hatte und bis April dieses Jahres eigentlich durchziehen konnte“, sagte Techet im Interview mit der ZIB 2. „Und die wollten eben auch Anknüpfungspunkte an die rechtsradikalen, rechtspopulistischen Kräfte in Europa finden.“

Machtwechsel in Ungarn gefährdet Uni in Österreich

Seit dem Regierungswechsel in Ungarn unter Ministerpräsident Peter Magyar werden Projekte aus der 16-jährigen Ära Viktor Orbáns abgewickelt. Ende Juli wurde die Matthias Corvinus Stiftung aufgelöst, über die hohe Summen Staatsgeld in rechtspopulistische Netzwerke in Europa flossen. Die Auflösung hat auch Folgen für Wien: Ein Lobbyinginstitut ist verschwunden, die Zukunft einer Universität ist ungewiss.

Neues Semester soll im September starten

In die MCC-Stiftung flossen unter Orban Milliarden an Staatsvermögen, was der ungarischen Opposition immer schon ein Dorn im Auge war. Personen, die Orbans Fidesz-Partei nahe standen, wurden in den Einrichtungen untergebracht. „Die neue Regierung hat so entschieden, dass die Stiftungsarbeit einfach eingestellt wird“, erklärte Techet. Das werde sich natürlich auf Einrichtungen auswirken, die der Stiftung gehörten oder durch sie finanziert wurden.

Unter den Lehrpersonen und Studenten am Kahlenberg herrscht Unsicherheit, wie es weiter gehen wird. Laut Plan sollte das neue Semester Mitte September starten. Auch Rektor Karl Wöber kennt noch keine Details. „Alle Beteiligten setzen sich dafür ein, dass die Modul University Vienna ihren akademischen und universitären Betrieb uneingeschränkt fortsetzen kann“, teilte er gegenüber der ZIB 2 schriftlich mit.

Laut Auskunft des zuständigen Ministeriums in Budapest laufen derzeit Beratungen. Dass der hoch verschuldete ungarische Staat eine Privatuni in Österreich langfristig betreiben wird, halten Ungarn-Kenner für unwahrscheinlich. Wahrscheinlicher sei, dass man einen Käufer sucht.

Zehn Prozent gehören Wiener Wirtschaftskammer

„Wenn da jemand ist, der den globalen Bildungsmarkt bereits bedient, ist Österreich ein sehr attraktiver Standort. Einerseits, weil es ein begehrter Studienstandort ist, weil wir eine sehr internationale Studierendenschaft und auch Lehrerschaft in der Modul Universität vorfinden, alles findet auf Englisch statt“, sagte Martin Rummel, Vorsitzender der Österreichischen Privatuniversitätenkonferenz.

Außerdem sei es in Österreich sehr schwierig, eine Akkreditierung für eine Privatuni zu bekommen, so Rummel: „Die Modul-Universität, die ja schon lange existiert, ist da sehr gut aufgestellt mit ihren Studienprogrammen und hat ein sehr spezialisiertes Profil, das jemand in diesem Bereich durchaus wirklich mit großem Interesse bedienen könnte.“

Zehn Prozent der Modul University Vienna gehören immer noch der Wiener Wirtschaftskammer. Im Universitätsrat tauchen prominente Namen auf – unter anderem die ehemalige ÖVP-Ministerin Elisabeth Köstinger.