Sie ist schon von Weitem sichtbar: Als krönender Abschluss der barocken Anlage von Schloss Schönbrunn wurde die Gloriette im 18. Jahrhundert unter Kaiser Joseph II. nach den Plänen des Hofarchitekten Johann Ferdinand Hetzendorf von Hohenberg errichtet, auf einem sanften Ausläufer des hügeligen Wienerwalds. Die Gloriette steht genau auf der Mittelachse des Schlosses Schönbrunn. Von den Prunkräumen des Schlosses blickt man über den Neptunbrunnen und den ansteigenden Hügel direkt zur Gloriette.
Die Gloriette
Die Gloriette ist der zweite Kandidat für „9 Plätze – 9 Schätze“
Bauwerk erscheint Schritt für Schritt größer
Umgekehrt bietet sich von der Gloriette aus ein einzigartiger Blick über die Gartenanlage bis zur Innenstadt. Diese perfekte Sichtlinie sollte die Macht und Ordnung der Habsburger symbolisieren und ist bis heute nahezu unverändert erhalten.
Anreise:
Die Gloriette befindet sich im 13. Bezirk im Schlosspark Schönbrunn, öffentlich erreichbar via U4 (Station „Schönbrunn“ oder „Hietzing“). Von dort sind es etwa 15- bis 20 Minuten zu Fuß hinauf zur Gloriette. Die Straßenbahnlinien 10, 49, 52 und 60 sowie die Buslinie 10A führen in die Nähe. Für Autofahrer gibt es kostenpflichtige Parkmöglichkeiten rund um Schönbrunn.
Der Hügel, auf dem die Gloriette steht, wirkt natürlich. Er wurde aber bewusst in die Gartenkomposition einbezogen. Die geschwungenen Wege führen Besucher langsam bergauf und lassen das Bauwerk Schritt für Schritt größer erscheinen. Das war ein beliebtes Gestaltungsmittel des Barock, um Spannung und Überraschung zu erzeugen.
Elegantes Zeichen von Ruhm und Macht
Kaiserin Maria Theresia hat das Bauwerk in Auftrag gegeben. Die Gloriette erinnert an die Schlacht von Kolin im „Siebenjährigen Krieg“, in der am 18. Juni 1757 die österreichisch-kaiserliche Armee erfolgreich den Vormarsch des preußischen Königs Friedrich II. nach Wien stoppte. Das Bauwerk entstand als Ausdruck höfischer Repräsentation und zugleich als Denkmal für den Frieden und die Stärke der Habsburgermonarchie.
Der Name „Gloriette“ leitet sich vom französischen Wort gloire – Ruhm – ab und verweist auf ihre symbolische Bedeutung. Mit ihrem triumphbogenartigen Mittelteil und den seitlichen Arkaden verbindet sie architektonische Eleganz mit monumentaler Wirkung. Auf dem Dach thront der mächtige Doppeladler, der die einstige Macht des Kaiserreichs eindrucksvoll verkörpert.
Anspielung auf antikes Rom
Die seitlichen Arkaden sind von mächtigen Trophäenstücken gesäumt. Dabei handelt es sich um Kompositionen aus antikisch-römischen Rüstungen mit Schilden, Feldzeichen und Löwen. Kaum jemand weiß, dass große Teile der Gloriette gar nicht eigens für Schönbrunn gefertigt wurden. Kaiserin Maria Theresia ordnete an, Säulen, Gesimse und Skulpturenteile aus dem unvollendeten Schloss Neugebäude in Simmering abzutragen und wiederzuverwenden. Die weißen Kaiserstein-Säulen der Gloriette waren somit bereits „gebraucht“ – ein bemerkenswert früher Fall von nachhaltigem Bauen.
Wer die lateinische Inschrift an der Gloriette genau betrachtet, entdeckt eine Besonderheit: Die Jahreszahl 1775 erscheint nicht in den heute üblichen römischen Zahlen (MDCCLXXV), sondern in der antiken sogenannten Apostrophus-Schreibweise (CIƆIƆCCLXXV). Das war eine bewusste Anspielung auf das antike Rom und unterstreicht den repräsentativen Charakter des Bauwerks.
Frühstück für Kaiser Franz Joseph I. und Elisabeth
Im Laufe der Jahrhunderte diente die Gloriette unterschiedlichen Zwecken. Während der Monarchie nutzten sie die kaiserliche Familie und ihre Hofgäste als Fest- und Aussichtspavillon. Einer Überlieferung zufolge ließ sich Kaiser Franz Joseph I. nach seinen frühen Spaziergängen gelegentlich in der Gloriette ein Frühstück servieren. Bei Kaffee und frischem Gebäck genoss er den Blick über den Schlosspark, manchmal auch gemeinsam mit Kaiserin Elisabeth, bevor er sich den Regierungsgeschäften widmete.
Heute können Besucher im Café Gloriette tatsächlich am selben Ort frühstücken wie einst das Kaiserpaar. Am Fuße des Hügels liegt der Neptunbrunnen. Er bildet den Übergang zwischen dem Schlosspark und dem Weg hinauf zur Gloriette. Hinter der künstlichen Felsenkulisse des Brunnens verbirgt sich ein gemauertes Gewölbe. Früher floss das Wasser allein durch das natürliche Gefälle von der höher gelegenen Gloriette zum Brunnen – ganz ohne Pumpen. Erst heute sprudelt er dank moderner Technik regelmäßig.
Die Gloriette erzählt von der Glanzzeit der Habsburger, von barocker Baukunst und der engen Verbindung zwischen Architektur und Landschaftsgestaltung. Sie verbindet Geschichte, Kultur und Natur und zählt zu den beeindruckendsten Aussichtspunkten Wiens.