Bis in die 1960er-Jahre wurden besonders in Österreichs Gebirgsregionen Kinder von Familien auf fremde Bauernhöfe weggegeben, meist aus Not. Diese „Annehmkinder“ wuchsen dort auf. Die TV-Dokumentation aus dem ORF Landesstudio Salzburg zeigt ihre Schicksale.
Inspiration zu dieser Dokumentation war der Film „Der Fuchs " vom Salzburger Regisseur Adrian Goiginger. Sein Ur-Großvater war auch ein Annehmkind. Gabi Kerschbaumer hat sich auf die Suche gemacht und vier Annehmkinder gefunden, die ihr ihre persönlichen Geschichten erzählt haben. In einer ersten Reaktion sagte Kerschbaumer zu ihrer Auszeichnung: „Für mich war es bereits eine Auszeichnung dafür überhaupt nominiert worden zu sein. Dass ich diesen Preis jetzt tatsächlich nach Salzburg ins ORF Landesstudio bringen darf, ist eine besondere Ehre.“
Leistungen in neu geschaffenen Kategorien gewürdigt
Der Fernsehpreis für Erwachsenenbildung wurde am Montag im ORF Radiokulturhaus in Wien vergeben. In fünf neu geschaffenen Kategorien – „Literatur, Kultur, Kunst“, „Ökonomische, demokratische und politische Bildung“, „Wissenschaftsvermittlung, -kommunikation, technische Bildung und Digitalisierung“, „Nachhaltigkeit und Zukunftskompetenzen“ sowie „Menschenrechte und Gesellschaft“ – werden besondere Sendungen aus dem vergangenen Jahr von der Konferenz der Erwachsenenbildung Österreichs (KEBÖ) gewürdigt.
Besonders in den alpinen Regionen Österreichs war das im vorigen Jahrhundert bis in die frühen 60er Jahre hinein eine gelebte Praxis. Die Gründe dafür waren vielschichtig. Kinderreiche, arme Bauernfamilien trennten sich von ihren jüngsten Kindern, weil sie diese nicht mehr ernähren konnten. Die Kinder wurden zu wohlhabenderen Höfen oder Verwandten gebracht, wo sie zwar Kost und Logis bekamen, aber als Knechte und Mägde mitarbeiten mussten.
Annehmkinder „mussten sehr früh mitarbeiten“
Der Bramberger Historiker Rudolf Leo beschäftigt sich seit Jahren mit den Annehmkindern: „Das war nicht nur ein Phänomen des Pinzgaus. Das hat es im gesamten Salzburger Bereich gegeben.“ 1917 waren es „1.165 Kindern, die als Sklaven mehr oder weniger zu Bauern verschenkt worden sind“. Die Gründe, warum Kinder bis in die 1960er Jahre hinein – bis zur Mechanisierung der Landwirtschaft – ausgestiftet wurden, hatten auch mit dem damals üblichen Anerbenrecht zu tun: Der Älteste erbte den Hof, die anderen Geschwister gingen leer aus.
Diese wurden dann sehr oft Mägde und Knechte und durften nicht heiraten: „Menschen haben trotzdem miteinander geschlafen und Kinder gezeugt“, sagt Historiker Span. Bei dieser großen Zahl an unehelichen Kindern stellte sich dann aber „die große Frage, wer die denn versorgt, wer die pflegen soll, wer sich um die kümmern soll“. In der berührenden Dokumentation von Gabi Kerschbaumer erzählen Zeitzeugen und Zeitzeuginnen aus dem Pinzgau und dem Pongau ihre bewegenden Lebensgeschichten.
Annehmkinder – Die Kinder, die zu viel waren
Als „Annehmkinder“ werden Kinder bezeichnet, die von ihren leiblichen Eltern weggeben wurden. Besonders in den alpinen Regionen Österreichs war das im vorigen Jahrhundert bis in die frühen 60er Jahre hinein eine gelebte Praxis. Die Gründe dafür waren vielschichtig. Kinderreiche, arme Bauernfamilien trennten sich von ihren jüngsten Kindern, weil sie diese nicht mehr ernähren konnten. Die Kinder wurden zu wohlhabenderen Höfen oder Verwandten gebracht, wo sie zwar Kost und Logis bekamen, aber als Knechte und Mägde mitarbeiten mussten.
Franz Hinterlechner, Rosi Vierthaler und Helmut Thöny haben in der Dokumentation viel zu erzählen.
Gestaltung: Gabi Kerschbaumer
Kamera: Fabian Kapo, André Leubner, Andreas Steger
Schnitt: Jacqueline Krenka, Fabian Kapo
Ton: Fabian Kapo