Eine der Betroffenen ist Maria Pöttinger: Sie ist schon seit 35 Jahren Tagesmutter. Vier Kinder betreut sie normalerweise täglich bei sich zu Hause, am Dienstag waren es fünf, weil eine Kollegin krank geworden war. Montagabend erfuhr Pöttinger, die kurz vor ihrer Pensionierung steht, von ihrer bevorstehenden Kündigung: „Ich bin sehr betroffen, leider. Man kämpft ständig mit den Emotionen. 35 Jahre sind doch eine lange Zeit.“
Abwenden könne sie die Kündigung nur, wenn sie freiwillig auf 20 Prozent ihres Gehaltes verzichte, die sie in Form einer Zulage bekommt – das ist die Wahl, vor die Pöttinger und die weiteren 82 betroffenen Tageseltern gestellt wurden. Bis Anfang März müssen sie der Geschäftsführung ihre Entscheidung bekannt geben: „Es betrifft mich schon sehr, weil das in naher Zukunft auch für meine Pension abgeht. Und darum wird das jetzt abgewogen. Was soll ich tun? Wie muss ich mich entscheiden?“, sagte sie.
So wie jetzt seien die Personalkosten schlichtweg nicht mehr zu stemmen, auch weil die Förderungen nicht mehr ausreichen, begründete TEZ-Geschäftsführerin Corinna Schober ihre Vorgangsweise: „Tatsächlich sind wir von Fördermitteln des Landes und der Gemeinde abhängig. Wir haben quasi zwei Einnahmenschienen, diese Förderungen und die Elternbeiträge. Und aufgrund dieser Förderung können wir nicht mehr kostendeckend arbeiten. Das ist seit einigen Monaten immer prekärer geworden.“
Land kündigt Geld an, Gemeinden „müssen mitfinanzieren“
Werden tatsächlich alle Kündigungen angenommen, würden 430 Kinder ihren Betreuungsplatz verlieren. Das Land Salzburg will das verhindern und kündigte jetzt mehr Geld an. Um die Fördermittel anzupassen, brauche es aber erst eine Gesetzesänderung, sagte die für Kinderbetreuung zuständige Landeshauptfrau-Stellvertreterin Marlene Svazek (FPÖ): „Mein Plan wäre, dass wir im März gleich einlaufen mit der Gesetzesänderung und den Verein dann auch unterstützen können. Also es wird mehr Geld geben und dafür brauchen wir Gemeinden und Städte auch als Partner, die natürlich mitfinanzieren müssen. Aber es ist im ureigensten Interesse, gerade auch der Stadt Salzburg, glaube ich, wo viele Kinder über Tageseltern betreut sind, dass sie da mitziehen.“
83 Tageseltern zur Kündigung angemeldet
Das Zentrum für Tageseltern hat massive Zahlungsschwierigkeiten. Am Dienstag mussten 83 Tageseltern zur Kündigung angemeldet werden. Betroffen wären davon die Betreuungsplätze von mehr als 400 Kindern. Wer den Job behalten will, müsste auf einen Teil des Gehalts verzichten. Der Betriebsrat will das verhindern und warnt vor starken Einschnitten bei der Kinderbetreuung. Das Land Salzburg hat Unterstützung zugesichert.
Betriebsrat mit scharfer Kritik
Der Gehaltsverzicht bleibe den Beschäftigten aber trotzdem nicht erspart, so die Geschäftsführung. Der Betriebsrat kritisiert das scharf und bezweifelt, dass die Tageseltern es sich leisten können, auf einen Teil des Gehalts zu verzichten: „Der Großteil der Mitarbeiter, da ist der Aufschrei laut und die werden das nicht machen“, sagte die Betriebsratsvorsitzende Daniela Kandler. „Die werden tatsächlich diese Kündigung dann nehmen. Und das bedeutet natürlich erstens Arbeitsplatzverlust und das bedeutet auf jeden Fall auch, dass die Kinderplätze wegfallen.“
Einen Monat haben die 83 betroffenen Tageseltern jetzt noch Zeit, ihre Entscheidung abzuwägen.
Gehälter stiegen, Förderungen nicht
In einem Internettelefonat Montagabend wurde den Beschäftigten nahegelegt, auf die Freiwilligenzulage zu verzichten, sagte Geschäftsführerin Schober: „Das klare Ziel ist natürlich, dass sich viele Dienstnehmerinnen entscheiden, diese Kürzung zu akzeptieren, die Streichung der Freiwilligenzulage. Wenn dieses Ziel erreicht ist, kann die Betreuung – so wie sie jetzt ist – ganz normal weitergehen.“
Die finanziell prekäre Lage sei schon lange bekannt. Dass es schon länger Probleme gebe, bestätigte auch Schober: „Weil die Fördermittel für die Tageseltern seit Jahren nicht angepasst wurden. Sie werden zwar jedes Jahr erhöht, aber nach diesem Beamtenschema und da sich unsere Dienstnehmer im Mindestlohntarif befinden und dieser eben andere Erhöhungen hatte wie das Beamtenschema, hat sich hier eine Schere aufgetan.“ Insgesamt hat das TEZ 162 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die nun verunsichert sind – so wie auch viele Eltern, die in einem Schreiben über die unsichere Lage informiert werden.